Stellungnahme zum geplanten Aus sowohl der Notfallambulanz zum Jahresende als auch des Bettenhauses in Breisach Ende Juni 2026
Dr. med. Ilse Voget – Fachärztin für Kardiologie - Breisach
Im Jahr 1984 habe ich mich in Ihringen als Kardiologin in freier Praxis niedergelassen. Meine Klientel bestand überwiegend aus Patienten im mittleren bis höheren Lebensalter incl. der damit in der Regel einhergehenden Begleiterkrankungen.
Einen hohen Stellenwert für mich als Fachärztin hatte daher eine enge Verzahnung mit den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen des Krankenhauses in Breisach, insbesondere seit der Etablierung der Inneren Abteilung mit ihrem Chefarzt Dr. Walter.
Die demographische Entwicklung zeigt, daß es in Zukunft immer mehr ältere Menschen geben wird. Diese benötigen bei gleichzeitig begrenzten familiären Ressourcen kurze Wege, um gleichermaßen medizinisch und menschlich versorgt zu werden. Das Krankenhaus in Breisach war bisher somit ein Glücksfall sowohl durch die Notfallambulanz als vorgeschaltem Filter als im Bedarfsfall auch für stationäre Erfordernisse. Die Freiburger Kliniken werden den Wegfall kaum auffangen können.
Im Alter von 73 Jahren konnte ich meine Praxis in jüngere Hände abgeben. Danach habe ich den Bezug zur ärztlichen Grundversorgung in der Regio etwas aus den Augen verloren. Beruhigend war immerhin, als ich im August 2023 in der BZ das Folgende lesen konnte:
Seit 100 Tagen leitet Thorsten Sleifir die Helios-Kliniken im Landkreis. Alle Mitarbeitenden der 3 Kliniken hatten ihn mit offenen Armen empfangen. Er lief gerne über die Stationen und es war ihm wichtig, die Häuser zu spüren und präsent zu sein. Es war ihm wichtig, zu vermitteln, daß keiner der Standorte geschlossen werden wird. Daß es bezüglich des medizinischen Versorgungsangebots keine Überraschungen geben wird. Im Hinblick auf die geplante Klinikreform wolle er ein attraktiver Arbeitgeber bleiben, Mitarbeiter über die Konzern-eigene Pflegeschule binden und hierdurch die Attraktivität der Kliniken steigern.
Das alles klang gut. Allen Unkenrufen zum Trotz. Denn schon länger waren in der BZ Sorgen um den Klinikstandort Breisach kommuniziert und erste Unterschriften unter den Bürgern gesammelt worden, nachdem Helios etwa alle 2 Jahre die Geschäftsführer auswechseln ließ.
Mit Herrn Sleifir, der auch die Digitale Transformation vorantreiben wollte, würde nun alles besser werden. Doch ich wurde eines Schlechteren belehrt. Inzwischen wurde nach unwürdigen, weil allzu lange geheim gehaltenen Sitzungen der Verantwortlichen offen das Aus sowohl der Notfallambulanz zum Jahresende als auch des Bettenhauses Ende Juni 2026 bekanntgegeben.
Ich bin mir bewußt, daß es Vorgaben auf Bundesebene gibt und unser Gesundheitssystem effizienter werden muß. Doch die Art und Weise, wie dies in der Europastadt Breisach vonstatten ging, macht mich wütend. Viel ist dazu schon gesagt und geschrieben worden. Das Menschliche kam m.E. dabei zu kurz.
Die entstehende Lücke mit einem MVZ weiterhin unter der Trägerschaft von Fresenius/Helios zumindest teilweise wieder zu schließen, dürfte aufgrund des gestörten Vertrauensverhältnisses schwierig sein. Ein Telefonat mit der Organisatorin eines Verbands Kommunaler MVZs in BW, bestehend seit 2024, stimmte mich etwas optimistischer. Derzeit jedenfalls schürt die Aussicht, daß etwas abgewickelt wird, bevor ein neues Konzept steht und mit Leben gefüllt wurde, Ängste. Insbesondere bei der vulnerablen älteren Bevölkerung.
Ironie des Schicksals: Mitte Juli konnte ich selbst noch einmal geradezu exemplarisch die wichtige Filterfunktion der Notfallambulanz des Krankenhauses erfahren: Ein sich vor meinen Augen entwickelnder sog. weiblicher Herzinfarkt mit atypischer Symptomatik, aber – wie sich zeigte - unmittelbar lebensbedrohlich, weshalb jede Minute zählte, wurde in dieser Einrichtung vorbildlich erstbehandelt. Nach engem Zeitfenster konnte die Patientin in der Uniklinik gestentet werden. Sie ist heute wieder sportlich aktiv wie zuvor.
Dr. med Ilse Voget
